Team für historische Simulationen
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Das Ringen um den Häselberg
Ein Gefecht aus dem 30jährigen Krieg

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Zum Hintergrund

5. September 1634, am frühen Abend, beim Häselberg nahe Nördlingen. Bereits seit über 25 Jahren tobt in Nordeuropa ein Krieg. Was als Glaubenszwist zwischen Katholiken und Protestanten begann, hat sich durch das Eingreifen der schwedischen Königs Gustav II Adolph zum machtpolitischen Ringen zwischen ihm und dem Habsburger Kaiser entwickelt. Der Tod Gustav Adolphs und seines Gegenspielers Wallenstein beendet das Ringen nicht. Vielmehr verlagert sich der Kriegsschauplatz immer weiter nach Süddeutschland.

Den Schweden ist es nun gelungen das kaiserliche Heer, das Nördlingen belagert, zu täuschen. Es kommt zu einem Überraschungsangriff auf die kaiserlichen Truppen. Durch eine tollkühne Reiterattacke des Herzogs Bernhard von Weimar werden die Vorpostenlinien geworfen. Panik breitet sich im kaiserlichen Heer aus. Piccolomini versucht Ordnung in die flüchtenden kaiserlichen Truppen zu bringen. In den verzweifelten Abwehrkämpfen fällt Malteser-Großprior Aldobrandini.
Truppenaufmarsch Kaiserlichen Musketiere auf dem Häselberg

Der Herzog von Weimar sammelt seine Truppen zu einem Angriff auf den Häselberg südlich von Herkheim. Auf dem bewaldeten Hügel kommt es zu erbitterten Kämpfen mit kaiserlichen Musketieren bestehend aus Deutschen, Spaniern und Burgundern. Erst nach Verstärkung durch Artillerie und zusätzliche Infanterieeinheiten gelingt es den Schweden die Kaiserlichen vom Häselberg abzudrängen. Gegen Mitternacht enden die Kämpfe.
Die Schweden kommen! Schwedische Kürassiere
Kaiserl. Dragoner in Ederheim Die Kaiserlichen räumen Ederheim

Es ist zu spät, um den nur wenige hundert Meter entfernten alles dominierenden Allbuch anzugreifen. Dort verschanzen sich die kaiserlichen Truppen über Nacht und befestigen den Hügel. Das diese Stellung nicht am 5. September genommen wurde, entscheidet mutmaßlich am folgenden Tag die Schlacht bei Nördlingen, als die schwedischen Regimenter bei nicht weniger als 15 Angriffen, bei denen die Schanzen auf dem Allbuch mehrfach den Besitzer wechseln, verbluten.

Kaiserliche Arkebusiere Kaiserliche Reiterei
"push of pikes" Musketiere gegen Pikeniere
Die Kavallerie formiert sich zum Angriff Schanzen auf dem Allbuch
Schwedische Reiter Das Schlachtfeld
Kroatenanführer Das Tabletop-Geände

Figuren, Terrain, Regelsystem

Für das Spiel benutzen wir rund 300 28mm Miniaturen überwiegend von den Firmen The Assault Group und Bicorne. Unterstützt von weiteren Miniaturen der Firmen Foundry, Old Glory, Perry Miniatures, Redoubt, Renegade und Warlord Games. Bemalt wurde die Figuren von Michael Siwak und Holger Bartnitzki.

Als Gelände dienen die THSeigenen variablen Geländemodule. Komplett in Handarbeit entstanden die Gebäude (Dietmar Schmidt Bartelt) und Waldsegmente (Michael Immig).

Bei dem Regelsystem fiel unsere Wahl auf Black Powder von Warlord Games mit kleineren Anpassungen für die Besonderheiten des 30jährigen Krieges.

Quellen

  1. Literatur (Auswahl)
    • Nördlingen 1634, P. Engerisser und P.Hrncirik, Weißenstadt 2009
    • Die Nördlinger Schlacht am 27.August 1634, Dr. Oscar Fraas, Nördlingen 1869 (Nachdruck 1983)
    • Friede ernährt Krieg und Unfriede zerstört - 14 Beiträge zur Schlacht von Nördlingen 1634 27. Jahrbuch 1985 des Historischen Vereins für Nördlingen und das Ries
    • Tracht, Wehr und Waffen im Dreissigjährigen Krieg, Eduard Wagner, Hanau 1980
    • Gegen Land und Leute - Der Dreissigjährigen Krieg, Peter Milger, Munic 1998
    • The Army of Gustavus Adolphus - Infantry (MAA 235), Brzenzinski/Hook, Osprey Publishing, London 1991
    • The Army of Gustavus Adolphus - Cavalry (MAA 262), Brzezinski/Hock, Osprey Publishing, London 1993
    • Imperial Armies of the Thirty Years War(1) (MAA 457), Vladimir Brnardic, Osprey Publishing, Botley 2009
    • Der Dreißigjährige Krieg - Ein Lexikon, Friedemann Bedürftig, Primus Verlag, Darmstatt 1996
    • Heereswesen der Neuzeit Abteilung I, Vol.1 and 2, S.Fiedler und G.Ortenburg, Bernhard & Graefe Verlag, Koblenz 1984
    • Die kaiserlichen Kriegsvölker 1479-1718 J.Chr.Allmayer-Beck und E.Lessing, Bertelsmann Verlag, Munic 1978
    • Die Schweden auf dem Breitwang A.Stolch und J.Wöllper, Heimat- und Fachverlag F.Steinmeier, Nördlingen 2009
    • Sehr empfehlenswert ist auch der Download des Flyers zum "Schwedenweg" bereitgestellt vom Geopark Ries
  2. vor Ort
    • Dauerausstellung zum Dreissigjährigen Krieg und zur Schlacht im Löpsinger Torturm, Nördlingen
    • Sonderausstellung"Der Dreissigjährigen Krieg und die Schlacht bei Nördlingen im Stadtmuseum Nördlingen noch bis zum 8. November 2009
    • Wanderung über das Schlachtfeld auf den "Schwedenweg" (siehe oben)
    • Geheimtip: Turmbesteigung des "Daniel" der St.Georgs-Kirche in Nördlingen mit Rundumsicht über Stadt und Umland.
  3. weitere Museen
  4. Allem voran zu nennen ist das Museum des Dreissigjährigen Krieges in Wittstock (Brandenburg), dort gibt es auch einen sehr schönen Ausstellungskatalog.
    Die Sammlungen der führenden nordeuropäischen Armeemuseen sind eine weitere Quelle.Daneben zeigen viele Burgen, Schlösser und Stadtmuseen in ganz Europa Relikte aus den ehemalige Zeughäuser und Rüstkammern, gerade aus dieser Epoche.
  5. Links

  6. Die Schweden auf dem Breitwang zu Bopfingen

Das Schlachtfeld heute, vom Süden her betrachtet.
In der Senke im Zentrum liegt Ederheim.
Im Hintergrund liegen von links nach rechts der Lachberg, the bewaldete Heselberg and der kahle Allbuch

Impressionen von Nördlingen

Zusatzinformationen

Wer hat´s erfunden?

Dieses Szenario wird erstmals präsentiert anläßlich Tactica 27.-28.02.2010 in Hamburg.

Das Ganze wurde aufgrund neuer Erkenntnisse, gewonnen in unserem Exkurs auf das Schlachtfeld, und auf die besonderen Belange der Veranstaltung Crisis in Antwerpen erweitert und angepasst. Die Idee verdanken wir Bernhard Hennen, der auch einen Großteil der Figuren stellt. Die Aufbereitung übernahm das ganze Team. Unser besonderer Dank geht an Axel Stolch, unseren guten Freund, Berater in Detailfragen und kompetenten Führer auf dem Schlachtfeld.

Auch das noch!

… und hier noch etwas für die Lokalpatrioten aus unserer Region Rhein/Ruhr:

Johann von Werth (Jan van Werth, Jean de Weert) wurde 1590 in Büttgen bei Neuss geboren und starb 1652 in Benatek (Benátky nad Jizerou), Mittelböhmen. Er war General im Dreißigjährigen Krieg, zuerst in spanischen, ab 1630 in bayrischen Diensten im Heer der Liga und war wesentlich beteiligt am Sieg der Liga bei Nördlingen. Bekannt wurde er auch durch die nachfolgende Anekdote:

Jan und Griet
Jan verdingtet sich in jungen Jahren als Knecht in Köln und verliebte sich dort in die Magd Griet. Sie verschmähte jedoch sein Werben, da sie auf eine Heirat mit einem reichen Bauernsohn hoffte. Tief enttäuscht ließ sich Jan darauf hin als Söldner für die spanischen Truppen anwerben. In der Armee machte er Karriere, brachte es bis zum Rang eines Generals und errang viele Siege. 1642 zog er mit viel Tamtam durch das Severinstor in Köln ein. Dabei entdeckte er auf dem Markt Griet, die dort Obst verkaufte. Er grüßte sie galant und sagte zu ihr: „Griet, wer et hätt jedonn!“ (Griet, hättest du es doch getan!). Sie antwortete: „Jan, wer et hätt jewoss!“ (Jan, wer konnte das wissen!)*. Es ist wohl unnötig zu erwähnen, dass diese Geschichte kein „Happy End“ hatte und Jan ohne Griet weiter zog.

*Anmerkung der Redaktion: Ein typischer Fall von rheinischem Pragmatismus!