Über Märschevon Sven-Olaf Linke TagesleistungenNach den Marschtiefen will ich mich im folgenden Artikel nunmehr den Tagesleistungen zuwenden. Dazu werden die Marschleistungen angeführt, von denen die Gerneralstäbler der meisten Länder ausgingen, als auch historisch belegte Marschleistungen aus der Militärliteratur der Zeit. Sowohl Moltke, die österreichische "Instruction für die Generalstabsoffiziere",
als auch Clausewitz geben als durchschnittliche Tagesleistung 3 dt. Meilen
(22,5 km) an, die bei mittelmäßigen Wegen in 8-10 Stunden zurückgelegt
werden konnten. Auch 4 dt. Meilen / Tag auf längere Dauer galten
noch nicht als außergewöhnlich, führten aber bereits zu
höheren Ausfällen unter den Truppen. Dabei wurde auf 3 Marschtage
dann 1 Ruhetag gerechnet, um Unordnungen beseitigen zu können und
Nachzüglern die Möglichkeit zu geben, wieder aufzuschließen
und sich ihren Truppenteilen wieder anschließen zu können. Die angegebenen Tagesleistungen umfassen dabei immer Truppenkörper,
die aus mehreren Waffengattungen zusammengesetzt sind. Angaben für Durchschnittsleistungen
separater Kavallerie werden nirgends gemacht, so daß man auf Angaben
der zeitgenössischen Literatur angewiesen ist. Für den Feldzug
von 1806 sind dabei für die Franzosen Leistungen angegeben, die zwischen
6 und 8 dt. Meilen / Tag liegen. Die Angaben beschränken sich dabei
aber auf die Zeiträume kurz vor dem Zusammentreffen mit der gegnerischen
Armee bzw. auf die Verfolgung des geschlagenen Feindes, sind also sicher
nicht als Durchschnitt für einen längeren Zeitraum anzusehen. Nun zu den unterschiedlichen Tagesleistungen der verschiedenen Armeen. Der Militärliteratur kann man entnehmen, daß die französischen Armeen der napoleonischen Zeit die bei weitem schnelleren Märsche ausführten. Nun lag dies keineswegs daran, das der Franzose schnellere und ausdauernde Beine hatte, wiewohl ihre Armeen bis 1813 kampf- und marschiergewohnter waren, als die ihrer Gegner. Mehrere Gründe führten zu den unterschiedlichen Marschleistungen, die sich im Laufe der Zeit aber immer mehr einander angeglichen haben, wenn sie auch, außer teilweise von den Preußen, nie ganz erreicht wurden. 1. In der preußischen Armee war es bis zur Reorganisation nach
1806 üblich, die Truppen am Ende eines Marsches in feste Quartiere
zu legen (das sogenannte Cantonieren), oder aber mittels der im Tross
mitgeführten Zelte zu biwakieren. Als Zeit für das Beziehen bzw. Verlassen
der Quartiere mußten 1-2 Stunden veranschlagt werden, so daß allein
dadurch pro Tag also schon 2-4 Stunden als verloren angesehen werden können.
Da die Infanterie nicht mit Mänteln ausgerüstet war, mußte
dieses Verfahren selbst auf dem Rückzug noch eingehalten werden,
mit den verderblichsten Folgen. Dazu kam noch, daß aufgrund der
Lineartaktik sich die Ordnung innerhalb der Verbände nicht lockern
durfte, um immer schlagfertig zu sein. War diese Ordnung einmal verloren,
konnte sie kaum oder gar nicht mehr hergestellt werden (siehe Rückzug
der Hauptarmee nach Auerstedt, die ja im eigentlichen Sinne keine Niederlage
erlitten hatte). Dennoch legten die Preußen auf ihrem Rückzug
1806 in 14 Tagen 50 Meilen zurück, was einem Durchschnitt von 3,5
Meilen pro Tag entspricht. Im allgemeinen wird angenommen, daß die Reduzierung des Trains
zu den höheren Marschleistungen der Franzosen geführt hätte,
was aber nicht in dem Maße der Fall war (wiewohl sie natürlich
dazu beigetragen hat). Nach den Reformen der preuß. Armee kann diese den Franzosen im Marschieren durchaus als gleichwertig angesehen werden. Dies beweisen die Tagesleistungen der Schlesischen Armee 1813, bei der vor der Schlacht an der Katzbach für das Yorksche Corps Tagesleistungen von 4, teilweise sogar 5 dt. Meilen nachgewiesen sind. Dabei darf nicht vergessen werden, daß dieses Corps zu diesem Zeitpunkt noch aus vielen ungeübten Truppen (Landwehren) bestand und durch den ständigen Regen die Wege völlig aufgeweicht waren. Die Kehrseite der Medaille waren in diesem Zeitraum Verluste von über 6.000 Mann allein des Yorkschen Corps. Auch diese Tagesleistungen sind aber schon forcierte Märsche zu nennen, da bei gleichen Verhältnissen (strömender Regen und "entsetzliche Wege") bei den Anmärschen zur Schlacht von Waterloo kaum mehr als ungefähr 2 Meilen pro Tag erreicht wurden. Zusammenfassend kann also gesagt werden, daß die folgenden Marschleistungen für Franzosen und ihre Verbündeten als gesichert angenommen werden können (Angaben in dt. Meilen pro Tag):
Im Rahmen von Simulationen sollten dazu die erreichbaren Marschleistungen entsprechend den Nationen angepasst werden. Während für die Preußen ab 1808 die obigen Angaben ebenfalls gelten, sollten sie für die Zeit vor 1808, für Österreicher, Russen und Briten (siehe auch deren wesentlich langsamere Verfolgung der geschlagenen Franzosen nach Waterloo), die ja alle bis zum Ende der Napoleonischen Epoche weiter bei der Magazinverpflegung verharrten, entsprechend verringert werden. Man geht sicherlich nicht fehl, wenn man für diese Länder die Marschleistungen der gemischten Verbände um 30 bis 50% mindert, abhängig vom zu simulierenden Feldzug. Bei der Kavallerie ist dies ein anderer Fall. Die obigen Angaben können für alle Armeen gelten, da unabhängig agierende Kavallerieverbände, z.B. als Vorhut, schon immer auf das Requisitionssystem vertrauen mußten und somit die Beschränkungen der Marschleistungen entfielen. Belegt wird dies durch die historischen Quellen über die einzelnen Feldzüge.
Zum Abschluß die Angabe der benutzten Quellen für die Artikelfolge:
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