THS - Team für historische Simulationen / Team for historical Simulations

Team für historische Simulationen
Team for historical Simulations ________________________________________

home                                                         06/2011

Das Schlachtfeld am Katzbach

Ein Exkurs im Mai 2010

zum Vergrößern Einzelbild anklicken

Am 26. August 1813 trafen bei heftigen Regenfällen an der Wü(h)tenden Neiße südwestlich von Liegnitz französische und preußisch/russische Verbände aufeinander. Letztere hatten auf den Anhöhen östlich des Flüsschens eine starke Stellung bezogen, wehrten die angreifenden französischen Verbände ab und trieben sie in über die Neiße zurück. Auf dem Rückzug erlitten die französischen Truppen zusätzliche Verluste, da die Neiße Hochwasser führte und viele flüchtende Soldaten beim Versuch der Überquerung ertranken. Aus politischen Gründen benannte man später die Schlacht nach dem Katzbach, in den die Neiße mündet. Der folgende Bericht benennt die polnischen Ortsnamen. Zur besseren Lokalisierung sind die alten deutschen Ortsnamen in Klammern beigefügt.

Das Schlachtfeld
Anfahrt und Wanderroute (grün)

Das Schlachtfeld ist aus Görlitz kommend über die Autobahn A4 / E40 Richtung Wroclaw (Breslau) zu erreichen. Vor Legnica (Liegnitz) verlassen wir die Autobahn an der Abfahrt Nr. 80 in Richtung Zlotoryja (Goldberg). Auf der Landstraße (Nr.364) geht es kurz darauf bereits links ab nach Krotoszyce (Kroitsch) erneut links nach Wilczyce (Wildschütz). Dort geht es rechts ab auf einem schlaglochgespickten Weg nach Dunino (Dohnau). Auf dem Weg in die Talsenke liegt bereits das nordwestliche Ende des Schlachtfeldes vor uns.

Noch vor dem Dorf überqueren wir auf einer Brücke die Kaczawa (Katzbach). Es empfiehlt sich direkt hinter der Brücke anzuhalten. Von der Brücke aus sehen wir den Zusammenfluss von Kaczawa und Nysa Szalona (Wütende Neiße). Folgen wir dem Fußweg auf dem Damm nur ein kurzes Stück Richtung Zusammenfluss stehen wir bald vor dem 1996 erneuerten Denkmal zur Erinnerung an die Schlacht. Weiter geht es mit dem Wagen zum Dorfeingang von Dunino mit dem Museum zur Schlacht. Die Öffnungszeiten sind Mittwoch bis Sonntag, jedoch nur nach telefonischer Voranmeldung beim Bürgermeister von Krotoszyce. Mangels Voranmeldung konnten wir das Museum leider nicht besichtigen und so auch nicht darüber berichten.

Zusammenfluss von Nysa
und Karczawa (rechts)
Die Nysa
Dunino-Museumspavillon

Es geht es ein kurzes Stück den Fahrweg zurück, dann jedoch nicht rechts auf den Weg zurück über die Kaczawa, sondern halblinks zum Ausflugslokal Stary Mlyn (Alte Mühle). Der Weg dorthin ist nur noch im Schritttempo befahrbar und es empfiehlt sich dringend, den Wagen beim Ausflugslokal abzustellen. „Stary Mlyn“, liegt malerisch direkt am Ufer der Nysa und ist nur an Wochenenden bewirtschaftet. Von der ausgesprochen freundlichen, hilfsbereiten, deutschsprechenden Besitzerin erhielten wir bei unserem Besuch neben einer Gratisportion Kaffee auch wertvolle Informationen z.B. zu Hochwassermarken und den Sehenswürdigkeiten in der Umgebung.

Die Alte Mühle
Die Nysa bei der Alten Mühle

Nach einer Rast geht es zu Fuß weiter entlang der Nysa auf der rechten und dem Ausläufer des Plateaus auf der linken Seite in Richtung Krajów (Nieder Crain). Wir bewegen uns damit ziemlich genau zwischen den Ausgangspositionen des linken Flügels der Franzosen in der Flußaue der Nysa und der Verteidigungsposition (rechter Flügel) der russischen und preußischen Truppen auf dem dicht mit Laubbäumen bewaldeten Plateauabhang. Klar zu erkennen sind hier auch mehrere Hohlwege, die auf das Plateau hinaufführen. Auf dem Plateau sollen sich Reste eines wilhelminischen Denkmals befinden, welches in der Nachkriegszeit als vermeintliche NS-Hinterlassenschaft zerstört wurde. Die Suche nach den Überresten haben wir uns erspart.

Bewaldeter Hang
Hohlweg zum Plateau
Hohlweg II

Linker Hand passieren wir nun eine geologische Besonderheit. Hier wird in geringen Mengen Hämatit (Blutstein) zur Gewinnung von ungiftigem Pigment abgebaut. Soweit die wissenschaftliche Erklärung für die rote Erde. Wesentlich prosaischer ist die Erklärung, dass dort das Blut der zahllosen Gefallenen und Verwundeten der Schlacht zutage tritt.

"Blutstein"

Im Laufe der Wanderung entlang der Nysa weit die Hügellinie zur Linken immer weiter zurück. Wir passieren einen Weiler und überqueren dass Flüsschen über eine Brücke. Wir haben nun die Nysa zur linken und kommen an einer Furt vorbei. Hier ist die Nysa auch ohne größere Anstrengung passierbar, was an anderen Stellen die Uferböschung erschwert. Durch Aufstauung flussaufwärts bei Slup (Schlaupe) ist der Wasserstand der Nysa weitestgehend reguliert, so dass sich das Flüsschen selbst zur Zeit unseres Besuches, als ganz Polen unter Hochwasser und Überschwemmungen litt, im Gegensatz zu den Zuständen 1813 als ausgesprochen „zahm“ erwies. Nach Augenzeugenberichten kann die Nysa aber auch noch heutzutage zu mehr als doppelter Breite anschwellen.

Blick zum Plateau
Flussaue der Nysa
Die Furt

Zur Rechten öffnet sich die Landschaft. Sie wird von Feldern geprägt in der Ferne erkennt man sowohl die Flussaue der Karczawa als auch die ersten Hügel Richtung Slup. Vorbei an einzelnen, imposanten Laubbäumen und Baumgruppen geht es nun zum Endpunkt unserer Wanderung, dem Dorf Krajów. Der Ortseingang erweist sich als wenig interessant und es ist nur noch wenig alte Bausubstanz zu entdecken. Unsere Wanderung hat nun mit Pausen ca. zwei Stunden gedauert und damit haben wir in etwa ein Drittel der damaligen Front abgeschritten.

Blick Richtung Slup
Baumgruppe
Ortseingang
Alte Scheune

Sicherlich wäre es spannend, der Nysa weiter in Richtung Slup zu folgen oder auf das Hochplateau in Richtung Warmatowice Sienkiewiczowskie (Eichholz) abzubiegen und von dort aus wieder zum Ausgangspunkt zurückzukehren. Hierfür reichte leider in unserem Fall die Zeit nicht und es fehlte das dazu erforderliche aktuelle Kartenwerk in einem für Wanderer geeigneten Maßstab.

Die entspannte Wanderung in schöner, ruhiger Landschaft ist zu empfehlen, selbst für militärhistorisch weniger Interessierte. Sie ist daher sogar familiengeeignet. Mit etwas Glück sieht man auch schon mal ein Reh. Die „Stary Mlyn“ bietet an den Wochenende neben der Verköstigung einen Spielplatz und eine flache Uferzonen für Kinder.

Ein Besuch des ehemaligen HQ von Blücher auf dem Gut Warmatowiceist leider nicht möglich. Das Gut wurde herausgeputzt und bietet sich heute mitsamt seiner großen Gartenanlage als Veranstaltungsort für exklusive Feierlichkeiten an. Das südöstliche Ende des Schlachtfeldes dürfte sich durch die bereits erwähnte Aufstauung der Nysa stark verändert haben. Dieser Teil des Schlachtfeldes ist von Jawor (Jauer) aus besser zu erreichen. Jawor erreicht man ebenfalls über die A4/E40 Abfahrt Nr.90 und dann über die E65.

Als Ausgangspunkt für einen Ganztagsexkurs empfiehlt sich Legnica oder das kleinere, lebhafte Zlotoryja. Mit etwas Glück bekommt man dort auch eine brauchbare (von uns schmerzlich vermisste) Wanderkarten und mit noch mehr Glück arrangiert die dortige Hotelrezeption oder die Tourist-Information auch die Öffnung des Museums von Dunino. Unabdingbar für eine Schlachtfeldbegehung sind neben einer detaillierten Karte mit den Truppenpositionen (siehe Anmerkung), ein Kompass, bequemes Schuhwerk und wenigstens ein paar Grußfloskeln in polnischer Sprache. Auf die teils unzureichenden Straßenverhältnisse und die robuste Fahrweise einiger polnischer Autofahrer sollte man sich einstellen. Die etwas legerere Lebenseinstellung in weiten Teilen der Bevölkerung birgt durchaus auch Vorteile, wenn man bereit ist, sich darauf einzulassen. Da wird dann auch schon mal Unmögliche möglich gemacht. Als Pedant hat man dort allerdings eher schwer. Vorurteile gegenüber Deutschen sind nicht festzustellen, vielmehr erreicht die Herzlichkeit und Gastfreundschaft bisweilen erstaunliche Dimensionen.

Militärhistorisch nicht völlig uninteressant und in der nahen Umgebung findet sich ist auf einer Reihe kleiner Erhebungen Legnica Pole (Wahlstatt). Hier fand die Schlacht von 1241 zwischen Mongolen auf der einen und deutschen und polnischen Rittern auf der anderen Seite statt. Highlight hier sind die Propsteikirche, welche zu Ehren des dort gefallenen schlesischen Heerführers Heinrich dem Frommen errichtet wurde und ein Museum im Pfarrhaus der schräg gegenüberliegenden kleineren Kirche (bei unserem Besuch leider geschlossen).

Nur der Vollständigkeit halber sein noch die Schlacht bei Liegnitz 1760 zwischen Preußen und Österreichern erwähnt. Das Schlachtgeschehen spielte sich im gesamten Umfeld der Stadt mit Schwerpunkt auf einer Anhöhe nordöstlich der Stadtgrenze ab. Hier ein Link zu einer sehr guten Beschreibung dieser Schlacht.

Anmerkung:
Zur Schlachtfeldbegehung und Lokalisierung stand mir eine Karte von W & A K Johnston, Edinburgh aus Maps of The Napoleonic Wars zur Verfügung. Dieser entstammen auch die Kartenausschnitte (s.o.).

Karl-Heinz Kieckers