THS - Team für historische Simulationen / Team for historical Simulations

Team für historische Simulationen / Team for historical Simulations
________________________________________

home         _updated 12/2015_

Museum Schloss Friederichstein

Militär und Jagdabteilung der Staatlichen Museen Kassel

Das Museum direkt oberhalb von Bad Wildungen bei Kassel gelegen, beherbergt eine kleine aber feine Sammlung von Militaria und Jagdwaffen aus dem nordhessischen Raum. Die Exponate vom Mittelalter bis vor den 1. Weltkrieg stammen alle aus dem Gebiet des ehemaligen Fürstentums Hessen-Kassel (nicht jedoch Hessen-Darmstadt), dem Königreich Westfallen und dem Fürstentum Waldeck (siehe hierzu den Nachtrag).

Auf dem Rundgang zunächst besonders hervorzuheben sind Waffen, Rüstungen und Fahnen aus dem 30jährigen Krieg.

Einige hochwertige osmanische Beutestücke aus der Befreiungsschlacht um Wien 1683 sind als Nächstes zu nennen. Zwar hat der Landgraf von Hessen-Kassel die Entscheidungsschlacht mit seinen hessischen Regimentern um einen Tag verpasst, erhielt aber als Dank für seine Bemühungen eine komplette Reiterrüstung, ein Audienzzelt nebst einem lebenden Osmanen und mehreren Kamelen zum Geschenk. Die Hessen konnten sich dann aber später doch noch bei Höchstädt gegen Franzosen und Bayern und bei der Eroberung Belgrads 1717 im Kampf gegen die Osmanen bewähren.

Es folgen Exponate aus der Zeit unrühmlichen Zeit, in der hessische Landeskinder als Söldner an die Briten verkauft wurden und in die Kolonien Neuenglands im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg kämpften. Die Söldner wurden übrigens ab Hannoversch Münden per Schiff auf der Weser transportiert und dort erinnert auch noch eine Inschrift an das Los der Unglücklichen.

Die napoleonische Epoche ist mit ausgesuchten Exponaten aus dem Fürstentum Hessen-Kassel, dem Königreich Westfalen und en Befreiungskriegen vertreten. Der Bruder von Napoleon, Jerome Bonaparte, von seinen Untertanen auch König Lustigk genannt, galt als prunksüchtig und stattete seine Truppen entsprechend aus. Daher sind die wenigen, jedoch sehr gut erhaltenen Uniformröcke und Ausrüstungsstücke sowie eine Serie von kolorierten Miniaturen mit Uniformabbildungen des Königreichs Westfalen besonders hervorzuheben.

Erstaunlich groß ist die Uniformensammlung aus der nachnapoleonischen Zeit.

Das Museum ist sicherlich einen Abstecher wert. Da striktes Fotografierverbot herrscht, empfiehlt es sich, Block und Farbstifte für Notizen mitzunehmen. Im Museumsshop gibt es einige Postkarten zu erwerben. Unbedingt mitnehmen: den 24seitigen Kurzführer des Museums, gut bebildert und sehr informativ! Die website des Museums gibt leider nicht viel her.

Noch ein Tipp: Wenn es um die Armee des Königreichs Westphalen geht, gibt es kaum etwas Besseres als : Westphälisches Militär von M. Gärtner und E. Wagner, herausgegeben im Auftrag der Deutschen Gesellschaft für Heereskunde e.V. Beckum, 1990.

Zum Rheinbundkontingent des Fürstentums Waldeck, dem von Hessen-Kassel bzw. dem Kgr. Westphalen komplett umgebenen Zwergstaat, sind die genaue Informationen wesentlich schwieriger zu beschaffen. Kein Wunder bildeten ab 1808 mit 400 Mann eine Kompanie gerade mal ein Sechstel des Fürstenbataillons für den Einsatz in Spanien und 1809 im Feldzug gegen Österreich wurden weitere Truppen mobilisiert und dienten unter hohen Verlusten in Spanien, Tirol und dem Russlandfeldzug. Zur Historie und zu den Uniformen siehe Zeitschrift für Heereskunde, Nr.341, Jahrgang 1989.

Wichtiger Nachtrag:
Nach meinem letzten Besuch des Museums im Jahre 2011 wurden alle Bestände Waldeckscher Militaria nach Bad Arolsen abgegeben und sind dort teils im Historicum 20 ausgestellt.