Brückenkopf-Anmerkungen

von Karl-Heinz Kieckers

Ergänzend zum vorliegenden Artikel hier nun einige Anmerkungen speziell zur antiken Kriegsgeschichte. Auf ausführliche Schilderungen wird bewußt verzichtet. Statt dessen sollen die aufgeführten Quellen zu einem intensiveren Studium der Thematik ermuntern. Die genannte Literatur ist zu einem Großteil in öffentlichen Büchereien zugänglich, kann aber auch im HQ eingesehen werden.
Die Problematik einer Flußüberquerung durch größere Truppenkontingente stellt sich nicht erst in der Neuzeit. Bereits im Altertum wurden teils wagemutige Flußüberquerungen auch unter den Augen des Feindes durchgeführt. Beispielsweise hat Alexander der Große in der Schlacht am Granikos (334 v. Chr.) das persische Heer durch einen Angriff über den von Steilufern gesäumten Fluß völlig überrumpelt. In einer Schlacht gegen die Skythen (329 v. Chr.) bildete er einen Brückenkopf am jenseitigen Ufer des Jaxartes und rückte entschlossen mit dem Rest der Armee nach. Bereits in dieser Schlacht wurden Geschütze (Pfeilschleudern) zur Deckung der "Landungstruppen" eingesetzt. Letztendlich konnte er 326 v. Chr. durch geschicktes Manövrieren und Übersetzen einer Kerntruppe über den Hydaspes die Truppen des indischen Königs Poros überraschen und besiegen.
Auch Schiffsbrücken fanden spätestens seit der klassischen Antike zur Überquerung von Flüssen Verwendung. Als Musterbeispiel hierzu möge die doppelte Schiffsbrücke über den Hellespont dienen. Diese ließ der Perserkönig Xerxes 480 v. Chr. errichten, um mit einem Heer von geschätzten 150.000 Kombattanten nebst Reit- und Lasttieren und einem riesigen Troß von Asien nach Europa zu gelangen. Eine Meisterleistung der Technik und der Logistik, wohl aber auch der schieren Willenskraft des Großkönigs. Schließlich braucht eine kleine Motorfähre für die gleiche Strecke durch die tückische Strömung nach eigenen Beobachtungen heute noch ca. 20 Minuten. Die Römer beherrschten den Brückenbau für militärische Zwecke in Vollendung. Sie entwickelten standardisierte Bauweisen und verwendeten sowohl Bock- als auch Schiffsbrücken. In den Dakerkriegen im 2. Jahrhundert n. Chr. beispielsweise überquerten sie mehrfach unter Feindeinwirkung die Donau. Jedoch schon viel früher gelangen den Assyrern Flußüberquerungen wohl auch unter Kampfbedingungen. Auf einem zeitgenössischen Relief erkennen wir Soldaten, die in voller Montur mit Hilfe von Schwimmblasen einen Fluß queren. Neben diesen aufblasbaren Häuten dienten mit Tierhaut bezogene runde Weidenkonstruktionen als Transportmittel. Sie wurden benutzt, um z.B. die (Streit-) Wagen überzusetzen. Selbst Hannibal wäre bei seinem Feldzug gegen Rom ohne die Verwendung von Flößen nicht über die Rhone hinausgekommen. Der berühmte Alpenübergang wäre sozusagen ins Wasser gefallen.

Quellen:

  1. Alexander the Greats Campaigns, Phil Barker, Patrick Stephens Ltd., Cambridge 1979
  2. Wargaming Ancient and Medieval, Donald Featherstone, David & Charles, London 1975
  3. Alexander 334-323 BC, John Warry, Osprey Verlag, London 1991
  4. Die Bücher der Geschichte - Buch VII, Herodot
  5. Die römische Armee, Peter Connoly, Tessloff-Verlag, Hamburg 1976
  6. Tiberius Claudius Maximus - Ein Römischer Legionär, Peter Connoly, Tessloff-Verlag, Nürnberg 1990
  7. The Ancient Assyrians, Mark Headly, Osprey Verlag, London 1991
  8. Hannibal und die Feinde Roms, Peter Connoly, Tessloff-Verlag, Hamburg 1978
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